Slicer Grundeinstellungen: Cura & PrusaSlicer optimal konfigurieren
Der Slicer ist das Gehirn des 3D-Drucks. Mit den richtigen Einstellungen optimieren Sie Qualität, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit.
Geometrie
Schicht & Füllgrad
Material
Temp & Fließrate
Bewegung
Speed & Beschl.
Extras
Stützen & Rafts
Was ist ein Slicer?
Ein Slicer ist eine Software, die ein 3D-Modell (STL-Datei) in Schichten zerlegt und in G-Code (Maschinencode) für den Drucker umwandelt. Der Slicer bestimmt, wie schnell, wie heiß und wie detailliert gedruckt wird. Beliebte Slicer sind Cura (kostenlos, universell) und PrusaSlicer (kostenlos, spezialisiert auf Prusa-Drucker).
Beim Öffnen eines Slicers sehen Sie hunderte von Parametern – das wirkt überwältigend. Aber in Wirklichkeit sind nur etwa 10–15 Parameter essentiell. Den Rest können Sie ignorieren.
Die 5 wichtigsten Einstellungen
1. Schichthöhe (Layer Height)
Das ist die vertikale Dicke jeder Schicht. Standard: 0,2 mm. Diese Größe passt zu den meisten Düsen (0,4 mm Durchmesser) und bietet ein gutes Gleichgewicht zwischen Qualität und Geschwindigkeit.
- 0,1 mm: Ultra-Details, aber sehr langsam (3–4 × länger).
- 0,2 mm: Standard, empfohlen für Anfänger.
- 0,3 mm: Schneller, aber sichtbare Schichtlinien.
- 0,4 mm und größer: Nur für grobe, schnelle Drucke.
Pro Tipp: Die maximale Schichthöhe sollte 75 % des Düsendurchmessers nicht überschreiten (bei 0,4 mm Düse: max. 0,3 mm).
2. Düsentemperatur (Nozzle Temperature)
Temperatur beim Druck (nicht beim Vorheizen). Abhängig vom Material:
- PLA: 190–220 °C (Standard 200 °C)
- PETG: 220–250 °C
- ABS: 230–250 °C
Zu heiß = Stringing (hängende Fäden) und unsaubere Drucke. Zu kalt = Unterextrusion (dünne, schwache Teile). Mit 5-°C-Schritten testen und anpassen.
3. Druckbett-Temperatur (Bed Temperature)
Auch material-abhängig (siehe Betthaftungs-Artikel). Kurz: PLA ~55 °C, PETG ~75 °C, ABS ~100 °C. Der Slicer speichert diese oft als Vorlagen – nutzen Sie sie.
4. Füllgrad (Infill Density)
Wie dicht das Objekt von innen gefüllt wird. 100 % = massiv. Aber vollsichtig ist meist unnötig und verschwendet Material/Zeit.
- Dekoration / Kunstobjekte: 0–10 % (nur Schale)
- Normale Gegenstände: 15–20 %
- Funktionale, belastete Teile: 40–60 %
- Extreme Belastung: 80–100 %
Ein 20 % Füllgrad mit einem guten Muster (Gyroid oder Grid) bietet meist ausreichende Festigkeit und spart 80 % Material.
5. Druckgeschwindigkeit (Print Speed)
Wie schnell die Düse über das Bett fährt. Standard: 50–60 mm/s für Qualität.
- 20–30 mm/s: Erste Schicht, höchste Qualität, sehr langsam.
- 50–60 mm/s: Standard, gute Balance.
- 80–100 mm/s: Schnell, aber Qualität leidet.
- 100+ mm/s: Nur für sehr robuste, große Objekte.
Eine praktische Regel: Ein 10 mm großer Würfel dauert 5–10 Minuten. Ein 50 mm großer etwa 1–2 Stunden. Zu schnell drucken ist eine Hauptursache für Fehler.
Stützstrukturen sinnvoll nutzen
Stützen werden automatisch generiert, wenn der Slicer Überhänge findet (>45° Winkel). Sie sind notwendig, werden aber nach dem Druck mühsam entfernt. Daher:
- Stützen nur wenn nötig aktivieren – nicht automatisch „an" lassen.
- Im Slicer das Modell drehen und schauen, ob Stützen wirklich notwendig sind.
- Mit Stützdichte experimentieren: Weniger (50 %) spart Material, ist aber schwerer zu entfernen; mehr (100 %) ist robuster, aber aufwendiger.
- Stützen-Typ wählen: Linear (dünn, einfach) vs. Tree (clever strukturiert, spart Material).
Profile speichern und wiederverwenden
Statt jedes Mal neu einzustellen: Erstellen Sie Material-spezifische Profile.
In Cura: Datei → Einstellungen → Speichern unter neuen Namen (z. B. „PLA_eSun_Standard"). In PrusaSlicer: Über die Toolbar-Dropdown-Menüs Profile speichern.
Beispiel-Profile:
- PLA_Standard (0,2 mm Schicht, 200 °C, 60 mm/s)
- PLA_HQ (0,1 mm Schicht, 200 °C, 40 mm/s – für Details)
- PETG_Standard (0,2 mm Schicht, 240 °C, 50 mm/s)
- ABS_Standard (0,2 mm Schicht, 245 °C, 40 mm/s)
Häufige Anfänger-Fehler im Slicer
Fehler 1: Zu große Schichthöhe. 0,4 mm oder größer macht Drucke schnell, aber sie sehen wie Lego-Stufen aus. Standard 0,2 mm ist ein gutes Kompromiss.
Fehler 2: Falsche Temperatur kopiiert. Sie sehen eine Anleitung für einen anderen Drucker mit anderen Temperaturen – und kopieren sie 1:1. Jeder Drucker hat leichte Abweichungen. Besser: Mit den Hersteller-Vorgaben starten und anpassen.
Fehler 3: Zu aggressiv drucken. 100 mm/s oder schneller ist Anfängern oft zu schnell. Drucke werden verformn, Fehler passieren. Bleiben Sie bei 50–60 mm/s.
Fehler 4: 100 % Füllgrad für alles. Unnötig und teuer. 20 % genügt für die meisten Objekte.
Fehler 5: Modell falsch skaliert. Eine häufige Überraschung: Das gedruckte Objekt ist viel größer oder kleiner als erwartet. Vorher die Maße im Slicer-Preview prüfen!
Grundlagen-Workflow
- STL-Datei in den Slicer laden.
- Drucker-Typ auswählen (falls nicht bereits definiert).
- Material-Profil wählen (z. B. „PLA_Standard").
- Schichthöhe und Füllgrad prüfen und anpassen.
- Modell im 3D-Preview anschauen – sind Stützen nötig? Liegt es richtig?
- Bei Bedarf Stützen ein-/ausschalten.
- „Slicen" / „Export" klicken – G-Code wird generiert.
- Datei auf SD-Karte oder über WLAN zum Drucker übertragen.
- Drucken!
Mit dieser Basis-Konfiguration haben Sie alles, was Sie brauchen. Fortgeschrittene Parameter wie Retraction, Acceleration und Jerk können Sie später lernen – am Anfang sind sie unnötig.